Kritische Edition des "Speculum universale" des Radulfus Ardens
03/28/2025Editionsprojekt erfolgreich abgeschlossen
Mit dem Erscheinen des dritten Teil-Bandes ist jetzt das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte und am Lehrstuhl „Theologische Ethik – Moraltheologie“ durchgeführte Projekt der Kritischen Edition des Speculum universale des Radulfus Ardens (gest. um 1200) abgeschlossen.
Der Antragsteller, Prof. Dr. Stephan Ernst, und seine Mitarbeiterinnen, Frau Dr. Claudia Heimann und Frau Dr. Anette Löffler, freuen sich sehr, dass nun, nach fast 20 Jahren Editionsarbeit (Förderzeit durch die DFG: 2005-2014 und 2016-2024), der Text, der bisher nur in Handschriften aus dem 13.-15. Jahrhundert vorlag, in einer kritischen Ausgabe in der renommierten Reihe des Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis vorliegt und dadurch der weiteren historischen, philosophischen und theologischen Forschung leichter zugänglich ist.
Das Speculum universale ist die bedeutendste, umfangreichste und eigenständigste Tugendethik des 12. Jahrhunderts. Erstmals werden hier die verschiedenen Tugenden in ihrer originellen und einzigartigen Aufgliederung und Systematik von der Seelenlehre her begründet. Einzigartig ist ebenfalls der durchgängige Gedanke der Komplementärtugenden, wonach immer erst zwei sich ergänzende Grundhaltungen wahre Tugenden bilden und sich wechselseitig davor bewahren, jeweils zum Laster zu werden. Sittengeschichtlich interessant sind schließlich auch die zahlreichen Einlassungen zu konkreten moralischen, pädagogischen und pastoralen Fragen.
Begleitend zur Editionsarbeit wurden darüber hinaus eine Reihe wissenschaftlicher Beiträge und Bücher, darunter auch eine Dissertation und eine Teilübersetzung, publiziert und mehrere Workshops zu Einzelaspekten der Ethik im 12. Jahrhundert veranstaltet.
Die Herausgeber freuen sich auch, dass die DFG in den nächsten Jahren ab Juli 2025 auch noch die Kritische Edition der Predigten des Radulfus Ardens fördern wird.
Edition:
Radulfi Ardentis Speculum universale, libri I-V, Ed.: Claudia Heimann/Stephan Ernst (Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis [CCCM] 241), Turnhout 2011.
Radulfi Ardentis Speculum universale, libri VII-X, Ed.: Claudia Heimann/Stephan Ernst (Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis [CCCM] 241A), Turnhout 2020.
Radulfi Ardentis Speculum universale, libri XI-XIV, Ed.: Claudia Heimann/Stephan Ernst (Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis [CCCM] 241B), Turnhout 2025.
Übersetzungen:
Stephan Ernst, Radulfus Ardens – Wie entstehen Tugenden und Laster?, lateinisch/deutsch, herausgegeben, übersetzt und eingeleitet von Stephan Ernst (HBPhMA 41), Freiburg/Basel/Wien 2017.
Stephan Ernst/Tobias Janotta, Radulfus Ardens: Typologie von Almosen (um 1200). Einführung und Übersetzung, in: G. K. Schäfer/W. Maaser (Hg.), Geschichte der Diakonie in Quellen. Von den biblischen Ursprüngen bis zum 18. Jahrhundert, Göttingen 2020, 347-356.
Wissenschaftliche Publikationen:
Stephan Ernst, „Estote prudentes sicut serpentes et simplices sicut columbae“ – Der Gedanke der Komplementärtugenden im Speculum universale des Radulfus Ardens, in: Spiritus et Littera. Beiträge zur Augustinus-Forschung (FS Cornelius Mayer OSA), hg. von G. Förster/A. Grote/Chr. Müller, Würzburg 2009, 551-575.
Stephan Ernst, Klug wie die Schlangen und ehrlich wie die Tauben. Die Lehre von den Komplementärtugenden als Strukturprinzip der Tugendlehre des Radulfus Ardens, in: MThZ 61 (2010) 43-60.
Claudia Heimann, Beobachtungen zur Rezeption der Werke des Radulfus Ardens im ausgehenden Mittelalter, in: Archa Verbi. Yearbook for the Study of Medieval Theology 10 (2013) 166-176.
Stephan Ernst, Die passiones animae im Speculum universale des Radulfus Ardens, in: Passiones animae. Die „Leidenschaften der Seele“ in der mittelalterlichen Theologie und Philosophie, hg. von Chr. Schäfer/M. Thurner, Berlin 2013, 135-164.
Stephan Ernst, Sittlichkeit und Kontingenz. Die Bedingtheit des Menschen und ihre Bedeutung für die Entfaltung von Tugenden und Lastern nach Radulfus Ardens († um 1200), in: Zukunft aus der Geschichte Gottes. Theologie im Dienst der Zukunftsfähigkeit der Kirche, hg. von G. Bausenhart/M. Eckholt/L. Hauser (FS. Peter Hünermann), Freiburg/Basel /Wien 2014, 264-286.
Stephan Ernst, Die Tugendethik Hildegards von Bingen im Kontext ihrer Zeit – Ein Vergleich mit der Konzeption des Radulfus Ardens, in: Unversehrt und unverletzt. Hildegards von Bingen Menschenbild und Kirchenverständnis heute, hg. von R. Berndt in Verbindung mit M. Zátonyi (Erudiri Sapientia, Band XII), Münster 2015, 49-76.
Tobias Janotta, Philosophi … erraverunt (Spec. Univ. 1,41). Der Traktat De anima im Speculum universale des Radulfus Ardens. Ein bemerkenswertes Beispiel für kritische Rezeption der platonischen Seelenlehre in der Frühscholastik, in: AAH 56 (2016) 127-138.
Tobias Janotta, Die Soteriologie im Speculum uniuersale des Radulfus Ardens. Eine systematische Betrachtung des Heilshandelns Christi aus der Perspektive der Tugendethik, in: U. Roth/D. Olszynski (Hg.), Soteriologie in der frühmittelalterlichen Theologie (Archa Verbi. Subsidia 17), Münster 2019, 279-314.
Stephan Ernst, Radulfus Ardens und sein Speculum universale (Zugänge zum Denken des Mittelalters, hg. von M. Dreyer, Bd. 9), Münster 2021.
Claudia Heimann/Anette Löffler, Zur Frage der Abhängigkeit des Speculum universale des Radulfus Ardens vom Verbum adbreviatum des Petrus Cantor, in: Th. Brandecker/T. Janotta/H. Weingärtner (Hg.), Theologische Ethik auf Augenhöhe. Festschrift für Stephan Ernst, Freiburg i. Br. 2021, 297-318.
Tobias Janotta, "Ita teneant uirtutes, quod uitia euitent collateralia" (Hom. epist. 2). Zur Bedeutung der Lehre von den Komplemengtärtugenden im Predigtkorpus des Radulfus Ardens, in: Th. Brandecker/T. Janotta/H. Weingärtner (Hg.), Theologische Ethik auf Augenhöhe. Festschrift für Stephan Ernst, Freiburg i. Br. 2021, 319-340.
Tobias Janotta, Komplementarität der Leidenschaften. Die Lehre von den affektiven Tugenden im Speculum universale des Radulfus Ardens (gestorben um 1200) (Veröffentlichungen des Grabmann-Instituts, Bd. 70), Berlin / Boston 2022.
Stephan Ernst, Demut und Selbstachtung – Die Komplementarität von humilitas und honorantia sui im "Speculum universale" des Radulfus Ardens (erscheint 2025)